Die Gärten werden kleiner, die Ansprüche an die Pflanzen größer. Da hab ich einen Geheimtipp auf Lager: Hortoplantus idealis

Die ideale Gartenpflanze

Hortoplantus idealis | Johanna Jahns

Die Marktforschung ist ein höchst probates Instrument,
das heutzutage auch die Gartenbranche kennt.
Mit messerscharfen Fragen und mit viel Feingefühl
fand man denn auch heraus, was der Kunde wirklich will.

Hortoplantus idealis heißt der neu‘ste Pflanzentrend,
das Problem ist nur, dass niemand diese Gattung kennt,
doch die hohe Kunst der Werbung schafft Bekanntheit nach Belieben,
und so sei Hortoplantus nun im Folgenden beschrieben:

Sie wächst ein Meter fünfzig in ihrem ersten Jahr,
stoppt dann und bleibt fürderhin genauso wie sie war.
Von März bis zum November hört sie nicht auf zu blühn,
und selbstverständlich ist sie auch noch immergrün.

Die tellergroßen Blüten riechen wunderbar nach Zimt
und halten in der Vase knapp vier Wochen, doch, bestimmt!
Das Laubwerk, sattgrün glänzend und mit samtiger Textur,
erfreut im Herbst mit einem Feuerwerk in orange und purpur.

Die großen Früchte leuchten weithin und beglücken den Gourmet
auf dem morgendlichen Brot als Marmelade und Gelee;
roh ein Superfood von höchstem gesundheitlichen Wert –
doch auch im Wuchs zeigt Hortoplantus all das, was man begehrt.

Sie wächst schlank aufrecht bodendeckend, ihre Vielfalt ist enorm,
es gibt sie natürlich auch als elegante Trauerform,
als Bonsai, Säule, Kugel, Teppich, als Kubus, und, und, und…
Beim Hochstamm bleibt die Krone ohne Schnitt ganz kugelrund.

Man kann sie jedoch auch schneiden, sie nimmt so schnell nichts krumm,
auch Feuer oder Überschwemmung bringt das gute Stück nicht um;
zudem zeigt sich Hortoplantus mit Langmut tolerant
gegenüber einem Mangel an gärtnerischem Sachverstand.

Hortoplantus idealis, ein wahres Wunder der Natur
gehört in jeden Garten, sie bringt Gartenfreude pur,
und um die Sache vollends abzurunden, was ist schon dabei,
legt Hortoplantus idealis jeden Sonntag noch ein Ei.